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Vor dem ersten Schnitt steht die Kontrolle des Baumes. Zunächst werden kranke, abgestorbene oder sich kreuzende Äste entfernt. Danach folgen die sogenannten Wasserreiser – steil nach oben wachsende, meist unverzweigte Triebe, die aus schlafenden Augen austreiben. Sie tragen kaum Früchte, nehmen aber Licht und Nährstoffe weg. Diese Reiser werden nicht bündig am Stamm abgeschnitten, sondern auf einen kurzen Zapfen von etwa zehn Zentimetern zurückgenommen. Dieser Zapfen treibt im nächsten Jahr schwächer aus und bildet eher Fruchtholz.

Der richtige Zeitpunkt: nach der Ernte, nicht davor Der günstigste Moment für das Auslichten liegt unmittelbar nach der Ernte, meist zwischen Ende August und Mitte September. Zu diesem Zeitpunkt hat der Baum bereits die Früchte abgeworfen, die Blütenknospen für das Folgejahr sind aber noch nicht vollständig ausdifferenziert. Ein Schnitt jetzt bremst den Baum kaum, weil er noch Reserven in Wurzeln und Stamm hat. Ein zweiter, vorsichtiger Termin ist das späte Winterende, etwa Ende Februar bis Anfang März, wenn keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Wer im Oktober oder November schneidet, riskiert Frostschäden an den offenen Wunden und fördert Pilzinfektionen wie die Bleiglanzkrankheit.

Der wichtigste Schnitt ist der sogenannte Fruchtholzschnitt. Man kürzt einen Trieb um etwa ein Drittel bis die Hälfte, immer auf eine nach außen zeigende Knospe. Die Endknospe bleibt stehen, alle darunter liegenden Augen bleiben erhalten. So bildet sich kein reines Holzwachstum, sondern kurze Fruchttriebe mit Blütenknospen. Bei Apfel und Birne sitzen diese Knospen vor allem an kurzen, mehrjährigen Trieben. Wer zu tief schneidet, entfernt genau diese Zone.

Schnittführung und Zeitpunkt sind genauso wichtig wie die Klinge Selbst die beste Klinge richtet Schaden an, wenn falsch geschnitten wird. Ein gerader Schnitt senkrecht zur Achse, knapp über einem nach außen zeigenden Auge, heilt am schnellsten. Schräg gesetzte Schnitte hinterlassen eine größere Wundfläche und mehr austretende Leitungsbahnen. Ebenso falsch: das Einkürzen auf einen Stummel ohne Auge. Solche Zapfen sterben ab, die Rinde reißt auf, und der Saftfluss hält länger an als nötig.

So wird der Schnitt sauber ausgeführt Das Werkzeug muss scharf und sauber sein. Eine stumpfe Schere quetscht das Gewebe, statt es zu durchtrennen, und schafft damit eine Eintrittspforte für Krankheiten. Geschnitten wird etwa fünf Millimeter über einem nach außen weisenden Auge, und zwar in leichtem Winkel, damit Wasser ablaufen kann. Der Schnitt darf nicht zu weit vom Auge entfernt liegen, sonst vertrocknet der Zapfen. Zugleich sollte er nicht direkt ins Auge gesetzt werden, weil dieses dann verletzt wird und nicht mehr austreibt.

Zusammenfassend: Zwischen März und September ist nur ein schonender Pflegeschnitt erlaubt. Radikale Rückschnitte sind verboten. Wer sich daran hält, vermeidet Bußgelder und schützt gleichzeitig die Tierwelt. Wer unsicher ist, wartet bis Oktober oder fragt bei der örtlichen Naturschutzbehörde nach. Ein Blick in den Kalender vor dem ersten Schnitt spart Ärger und Geld.

Warum der Schnitt gerade jetzt erfolgt Rosen treiben aus schlafenden Augen aus, die direkt unter der Schnittstelle liegen. Schneidet man zu früh, erfrieren diese Augen oder der Schnitt trocknet ein. Schneidet man zu spät, hat die Pflanze bereits Kraft in Triebe gesteckt, die man anschließend entfernt. Die Forsythienblüte markiert den Punkt dazwischen: Der Saftdruck steigt, aber die Vegetation hat noch nicht begonnen. In rauen Lagen kann man ein bis zwei Wochen nach der Blüte warten, in milden Regionen beginnt man, sobald die ersten Knospen platzen.

Beim Schneiden gilt: maximal ein Drittel der Krone pro Jahr entfernen. Wer zu radikal vorgeht, zwingt den Baum zu vegetativem Wachstum, und die Ernte im nächsten Jahr fällt aus. Wunden über zwei Zentimeter Durchmesser sollten glatt nachgezogen werden, damit sie schnell verheilen. Ein Wundverschlussmittel ist bei Pflaumen und Zwetschgen nicht zwingend nötig, kann aber bei starkem Schnitt im Spätsommer helfen, das Austrocknen zu verhindern. Wichtig ist sauberes Werkzeug: Eine scharfe Schere oder Säge mit desinfizierter Klinge verhindert die Übertragung von Viren und Bakterien.

Pflaume und Zwetschge verzeihen viel, aber nicht alles. Der häufigste Fehler beim Auslichten ist der Schnitt zur falschen Zeit und an der falschen Stelle: Wer im Frühjahr einfach die dicksten Äste entfernt, verliert nicht nur die diesjährige Ernte, sondern auch einen Großteil der Blütenknospen für das Folgejahr. Der Grund liegt in der Biologie des Baumes: Pflaumen und Zwetschgen tragen ihre Früchte überwiegend an einjährigen Trieben und an kurzen Fruchtholzspießen, die sich in den Vorjahren gebildet haben. Schneidet man diese weg, fehlt die Basis für die nächste Ernte.

12 Tipps, um Strom \u0026 Energie zu sparen! Hohe Stromkosten im Haushalt vermeiden! | EnergiespartippsDer eigentliche Auslichtungsschnitt betrifft die Krone. Ziel ist eine lockere, lichtdurchlässige Struktur, bei der die inneren Bereiche nicht vollständig beschattet werden. Dazu werden ganze Äste an ihrer Basis entfernt, nicht einfach eingekürzt. Ein häufiger Fehler ist das Zurückschneiden aller Triebe auf eine einheitliche Länge. Das regt den Baum zu starkem Neuaustrieb an, der wiederum beschattet und im Folgejahr keine Blüten trägt. Besser ist es, nur die Konkurrenztriebe zu entfernen und die fruchttragenden, schwächeren Triebe stehen zu lassen.
ago by (120 points)

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