Der Saftfluss selbst ist keine Krankheit, sondern eine Reaktion auf Verletzung. Bäume wie Birke, Ahorn, Walnuss oder Wein verhalten sich dabei unterschiedlich stark. Ein sauberer Schnitt mit scharfer Klinge durchtrennt die Leitungsbahnen glatt und schließt sie teilweise wieder. Ein stumpfes oder falsch geformtes Blatt dagegen quetscht das Gewebe, reißt die Rinde auf und öffnet die Wundleiste, aus der der Saft austritt. Deshalb ist die Klinge die eigentliche Stellschraube, nicht der Wundverschluss.
Welche Klinge das Ausfransen verhindert und welche es fördert Am besten schneidet eine scharfe, dünne und gerade Klinge mit glattem Schliff, also eine klassische Baumschere mit Bypass-Mechanik oder ein scharfes Zugmesser. Sie arbeitet wie eine Schere und trennt das Holz, statt es zu brechen. Amboss-Scheren drücken das Holz gegen eine Gegenfläche und quetschen die Rinde – bei dünnen Trieben geht das noch, an stärkeren Ästen franst die Rinde fast immer aus. Auch zu dicke oder zu kurze Klingen, die man mit Gewalt durch das Holz zieht, hinterlassen Risse. Wichtig ist zudem der Schliffwinkel: Eine zu flach geschliffene Klinge schneidet zwar leicht, verliert aber die Form und reißt. Eine zu steil geschliffene Klinge rutscht ab und hinterlässt eine Scharte.
Nach dem Verschluss entscheidet die Nachsorge über den weiteren Verlauf. Ein trockener Verband schützt, aber er darf nicht verkleben, sonst reißt er beim Wechsel die frisch gebildete Zellschicht wieder auf. Besser sind feuchte Wundauflagen, die den Heilungsprozess unterstützen und den Rand geschmeidig halten. Tägliches Wechseln ist nur nötig, wenn die Auflage durchblutet oder verschmutzt ist. Häufiges Öffnen stört die Ruhe, die die Zellen zum Wachsen brauchen.
Woran man Gruppe zwei und drei auseinanderhält Die zweite Gruppe blüht zweimal: im Frühsommer an den Kurztrieben des Vorjahres und im Spätsommer an den neuen Trieben. Zu ihr gehören viele großblumige Sorten wie 'Nelly Moser' oder 'The President'. Der Schnitt erfolgt im zeitigen Frühjahr, bevor der Austrieb beginnt. Man kürzt die Triebe auf etwa 150 bis 200 Zentimeter, entfernt schwache und überzählige Ruten und lässt vier bis sechs kräftige stehen. Ein radikaler Rückschnitt auf den Boden kostet die erste Blüte, nicht aber die zweite.
In der Praxis hat sich ein Schnitt mit Zug bewährt: Die Klinge wird vom Stamm weg angesetzt und mit einer leichten Drehung durch den Ast geführt, nicht geradlinig durchgedrückt. Der Schnitt erfolgt knapp über einem Auge oder einer Astgabel, aber nicht bündig am Stamm. Ein zu dichter Schnitt am Stamm verletzt den Astring und öffnet eine große Wunde, die stark blutet. Ein zu weit außen liegender Schnitt lässt einen Zapfen stehen, der abstirbt und ebenfalls Saft zieht. Die richtige Position liegt wenige Millimeter vor der Stammansatzleiste.
Ein weiterer Fehler ist der Schnitt zur falschen Zeit. Ein starker Rückschnitt im Frühjahr direkt vor dem Austrieb kostet den Baum viel Kraft. Besser ist der Spätsommer oder das zeitige Frühjahr, aber nicht während der Saftruhe bei Frost. Bei alten Bäumen sollte man auf einen trockenen, frostfreien Tag achten. Wunden über fünf Zentimeter Durchmesser verheilen schlecht und sollten mit einem Wundverschluss behandelt werden – aber ohne den Baum damit zu ersticken.
Wichtig ist auch der Umgang mit dem Schnittgut. Befallene Zweige mit sichtbaren Gummi-Fluss oder pilzlichen Überzügen gehören nicht auf den Kompost, sondern in den Restmüll oder werden verbrannt. Ein sauberes, scharfes Werkzeug ist Pflicht: Eine Astschere mit gebogenem Blatt schneidet glatter als eine mit geradem Blatt. Zwischen Bäumen wird die Klinge mit Alkohol abgewischt, um Viren und Bakterien nicht zu übertragen. Große Wunden über drei Zentimeter können mit einem zugelassenen Wundverschlussmittel behandelt werden, kleine Wunden heilen ohne Hilfe.
Die erste Gruppe umfasst Sorten, die bereits im zeitigen Frühjahr am vorjährigen Holz blühen. Typisch sind Arten wie Clematis alpina, Clematis macropetala und deren Sorten. Sie treiben im April oder Mai aus den Knospen des Vorjahres und blühen oft ein zweites Mal schwächer im Sommer. Schnitt vertragen sie schlecht: Wer sie im Frühjahr zurückschneidet, entfernt genau die Triebe, an denen die Blüten sitzen. Hier beschränkt man sich auf das Entfernen erfrorener Spitzen und ausgedünnter Triebe direkt nach der ersten Blüte.
Häufige Fehler: Viele schneiden mit einer stumpfen oder verschmutzten Schere. Das quetscht den Trieb, statt ihn zu trennen. Die Wunde heilt schlechter, und Bakterien haben leichtes Spiel. Deshalb vor jedem Einsatz die Klingen mit Alkohol abwischen. Ein weiterer Fehler ist das Abzupfen der Blüten mit den Fingern. Dabei reißt die Rinde oft bis zum nächsten Auge ein, was den Trieb dauerhaft schwächt.
Bevor irgendetwas vernäht oder verklebt wird, muss die Wunde gesäubert werden. Grobe Verschmutzungen wie Sand, Splitter oder Stoffreste werden mit einer sterilen Pinzette entfernt. Anschließend spült man mit einer isotonischen Lösung, nicht mit Alkohol oder Wasserstoffperoxid, denn diese schädigen das empfindliche Gewebe und verzögern die Heilung. Ein zu starker Strahl zerstört ebenfalls Zellen, daher die Spülung sanft und mit geringem Druck durchführen.