Vor dem Gießen das Glas langsam vorwärmen, nicht auf die Heizung stellen, sondern in warmes Wasser legen oder mit einem Föhn auf etwa 40 Grad bringen. Das Wachs sollte nicht kochen. Wachs mit einer Gießtemperatur um 60 bis 70 Grad Celsius reicht aus; wer bei 90 Grad eingießt, riskiert Risse. Nach dem Gießen das Gefäß auf ein Holzbrett oder eine Silikonmatte stellen, nicht auf kalten Stein oder Metall. Ein zu schnelles Abkühlen erzeugt dieselbe Spannung wie zu schnelles Erhitzen.
Wo die Feuchtigkeit wirklich herkom
Ein weiterer häufiger Fehler ist, den Docht vor dem ersten Abbrennen zu kurz zu schneiden. Ein zu kurzer Docht entwickelt zu wenig Wärme und kann den Rand nicht erreichen, selbst wenn die Stärke eigentlich stimmt. Schneide den Docht erst nach dem ersten vollständigen Abbrennen auf die übliche Länge. Bei mehrdochtigen Kerzen gilt: Jeder Docht braucht denselben Abstand zum Rand, sonst entsteht ein schiefes Schmelzbild.
Was in die Nähe einer Flamme darf – und was nicht Unproblematisch sind Materialien, die nicht brennen: Metall, Glas, Keramik, Stein und gefüllte Metallbehälter ohne brennbaren Inhalt. Auch ein feuerfester Untersetzer aus Stein oder Metall ist sinnvoll, denn er fängt herabfallende Asche oder Wachstropfen auf. Achtung bei Glas: Es kann springen, wenn es einseitig erhitzt wird. Deshalb nie kaltes Glas direkt an eine heiße Flamme stellen.
Miss zuerst den Innendurchmesser des Gefäßes auf Höhe der Wachsoberfläche, nicht am Rand oben. Ein Glas mit 6 cm Innenweite braucht einen anderen Docht als eine Schale mit 9 cm, selbst wenn beide gleich hoch mit Wachs gefüllt sind. Notiere den Wert in Zentimetern. Bei ovalen oder eckigen Gefäßen nimm den schmalsten Abstand zwischen zwei gegenüberliegenden Wänden, denn dort kann die Flamme den Rand zuerst erreichen.
Der erste Guss mit neuem Wachs ist oft ein Schock: Der Spiegel fällt unerwartet ab, obwohl die Temperatur stimmt und alles wie immer aussieht. Das hat nichts mit Zauberei zu tun, sondern mit physikalischen und chemischen Vorgängen, die sich beim Abkühlen abspielen. Wer sie kennt, kann den Fehler vermeiden und muss nicht jedes Mal von vorn beginnen.
Nicht in die Nähe gehören Spraydosen, Feuerzeuge, Desinfektionsmittel, Haarspray, Spiritusflaschen und Reinigungsalkohol. Diese Stoffe verdampfen schon bei mäßiger Wärme und bilden ein entzündliches Gas-Luft-Gemisch. Schon eine kleine Zündquelle genügt dann für eine Stichflamme. Ebenso tabu: brennbare Flüssigkeiten in offenen Gefäßen, Zeitungspapier zum Anzünden in zu großen Mengen und Kunststofffolie, die schmilzt und tropft.

Bienenwachs hat eine andere chemische Zusammensetzung als Paraffin oder Stearin. Der Anteil an Fettsäureestern, Kohlenwasserstoffen und freien Fettsäuren liegt deutlich höher, und der Schmelzpunkt ist mit etwa 62 bis 65 Grad Celsius ebenfalls höher. Das verändert die Verbrennung in mehreren Stufen: Der Wachs muss erst schmelzen, dann verdampfen, und erst der Dampf verbrennt. Bei einem hohen Bienenwachsanteil verschiebt sich dieses Gleichgewicht, weil der Docht mehr Wärme nach oben leiten muss, um genug Wachs zu verdampfen.
Ein häufiger Grund ist ein zu großer Temperaturunterschied zwischen Wachs und Form. Ist die Form zu kalt, zieht sie an der Oberfläche Wärme ab, das Wachs erstarrt dort schneller als im Inneren. Beim weiteren Abkühlen schwindet das Volumen unterschiedlich stark, und der noch flüssige Kern sackt nach. Die Oberfläche fällt ein. Abhilfe: Form vor dem Guss gleichmäßig auf etwa 5 bis 10 Grad unter der Wachstemperatur erwärmen. Das geht mit einem Warmluftgebläse oder indem die Form einige Minuten in warmes Wasser gestellt wird.
Um den Wachsspiegel stabil zu halten, hilft eine einfache Nachbehandlung: Nach dem Guss die Form leicht klopfen oder rütteln, damit eingeschlossene Luft entweicht und sich das Wachs setzt. Dann langsam abkühlen lassen – nicht in den Kühlschrank stellen, das beschleunigt die Schwindung nur. Wer diese Punkte beachtet, wird feststellen, dass der Spiegel beim ersten Guss nicht mehr unerwartet sinkt, sondern gleichmäßig und glatt erstarrt.
Typische Fehler sind ein zu geringer Abstand nach oben, weil Hitze aufsteigt. Über einer Kerze oder einem Kocher sollte mindestens ein Meter frei sein, besonders zu Regalen, Lampen und Dunstabzugshauben. Ein weiterer Fehler: die Flamme unbeaufsichtigt lassen, auch nur kurz. Wenn etwas zu brennen beginnt, hilft kein schnelles Wegziehen, sondern nur ein Feuerlöscher oder eine Löschdecke. Wasser ist bei Fett oder Öl gefährlich und kann eine Explosion auslösen.
Beim Testen gehst du so vor: Zünde die Kerze an, lass sie zwei Stunden brennen und beobachte den Rand. Bildet sich nach dieser Zeit ein vollständiger Schmelzrand, passt die Dochtstärke. Bleibt ein Ring aus festem Wachs, ist der Docht zu dünn. Rußt die Flamme, wird sie sehr hoch oder flackert stark, ist der Docht zu dick. In beiden Fällen hilft nur ein Wechsel, nicht das Kürzen oder Biegen des Dochts.