Auch die Nadel spielt eine entscheidende Rolle. Eine stumpfe, verbogene oder falsch dimensionierte Nadel sticht nicht sauber ein und reißt den Faden an der Öse auf. Besonders bei feinen Stoffen ist eine zu dicke Nadel fatal: Sie hinterlässt große Einstichlöcher, durch die der Faden nach unten gezogen wird. Wechsle die Nadel nach etwa acht bis zehn Betriebsstunden und wähle die Stärke passend zum Material.
Typische Fehler sind das zu tiefe Eintauchen der Spitze und das Ziehen statt Hebens. Wer den Trenner schräg nach unten drückt, durchtrennt nicht nur den Nähfaden, sondern auch Kett- und Schussfäden. Ein weiterer Fehler ist das Arbeiten gegen die Nahtrichtung. Immer in Stichrichtung trennen, also von rechts nach links bei einer normalen Geradstichnaht. Bei Overlock- oder Ziernähten ist besondere Vorsicht geboten: Hier liegen mehrere Fäden übereinander, und ein falscher Hebel öffnet sofort das gesamte Gewebe.
Die Schnittstrategie sollte an der kritischen Kante beginnen. Fräse zuerst die Seite, an der die Deckschicht am meisten gefährdet ist, mit einer geringen Zustellung. Anschließend kannst du die andere Seite mit voller Tiefe nachfräsen. Bei sehr empfindlichen Oberflächen hilft es, die Kante vor dem Fräsen mit Klebeband abzukleben. Das Band stützt die Fasern und verhindert, dass sie ausbrechen. Nach dem Fräsen ziehst du das Band vorsichtig ab. Ein weiterer Fehler ist das Fräsen gegen die Faserrichtung – bei Holzwerkstoffen sollte immer in Richtung der Deckschicht gearbeitet werden, wenn möglich.
Der erste Schritt ist immer das Fixieren des Stoffes. Die Naht liegt flach auf einer harten, hellen Unterlage. Dunkle Tische verschlucken Kontraste, helle Flächen zeigen jede Faser. Die linke Hand hält den Stoff links und rechts der Naht fest, sodass keine Spannung entsteht. Gespannte Naht bedeutet, dass der Trenner beim Aufhebeln seitlich ausweicht und den Stoff neben der Naht aufschlitzt. Die rechte Hand führt den Trenner flach, fast parallel zur Naht, nicht senkrecht hinein.
Ein häufiger Fehler ist zu festes Heften. Wer den Faden straff zieht, wellt den Stoff oder hinterlässt kleine Löcher, die nach dem Auftrennen sichtbar bleiben. Ein weiterer Fehler: den Heftfaden nach dem Maschinennähen einfach herauszuziehen, ohne ihn vorher aufzutrennen. Besser ist es, den Faden alle zwei bis drei Zentimeter mit einer kleinen Schere oder einem Nahttrenner zu durchtrennen und dann vorsichtig herauszuziehen. Sonst zieht man die Naht zusammen oder beschädigt feine Stoffe.
Die Führung des Werkstücks oder der Frässpindel entscheidet ebenfalls über die Kantenqualität. Freihand geführt kippt der Fräser leicht, wodurch die Schneide nur teilweise greift und Fasern herausreißt. Verwende eine stabile Schablone, einen Anschlag oder eine Führungsschiene. Bei kleinen Werkstücken kann eine Opferplatte untergelegt werden, die die Austrittskante stützt. Ein häufiger Fehler ist es, das Werkstück nur mit der Hand zu halten – hier entstehen die typischen Ausrisse an der Unterseite.
Die meisten Nahttrenner haben eine Kugelspitze an einem Ende und eine scharfe Spitze am anderen. Für feine Stoffe wie Seide, Chiffon oder Jersey nimm die Kugelspitze: Sie gleitet unter dem Faden, ohne die Fasern zu fassen. Die scharfe Spitze ist für feste Webware wie Leinen oder Canvas gedacht. Halte das Werkzeug zwischen Daumen und Mittelfinger, den Zeigefinger auf dem Rücken der Klinge. So hast du Kontrolle über die Tiefe. Ein stumpfer Trenner rutscht ab und reißt Löcher. Tausche ihn aus, sobald er den Faden nicht mehr sauber durchtrennt, sondern quetscht.
Ein häufiger Fehler ist zu starker Nähfußdruck. Drückt der Fuß zu fest auf den Stoff, kann der Transporteur ihn nicht greifen, weil der Stoff zwischen Fuß und Stichplatte eingeklemmt ist. Reduzieren Sie den Druck schrittweise und testen Sie auf einem Reststück. Bei sehr glatten oder dehnbaren Stoffen hilft ein leicht erhöhter Druck, bei festen Stoffen eher ein niedrigerer. Auch die Fadenspannung spielt eine Rolle: Ist sie zu hoch, zieht der Faden den Stoff nach oben und der Transporteur verliert den Halt.
Nach dem Trennen bleiben oft kleine Fadenreste im Stoff. Diese nicht mit dem Trenner herauskratzen, sondern mit einer Pinzette oder Klebeband abnehmen. Reste, die tief in der Naht sitzen, lassen sich mit einer Nadel von der Rückseite her ausdrücken. Wer die Naht später neu näht, sollte die alten Einstichlöcher beachten: Sie sind bei empfindlichen Stoffen sichtbar und können ausreißen. Deshalb vor dem erneuten Nähen die Nahtzugabe leicht dämpfen und die neuen Stiche versetzt setzen.
Fadensalat unter dem Stoff entsteht nicht zufällig. Meist sind es mechanische oder einstellungsbedingte Fehler, die sich mit etwas Geduld eingrenzen lassen. Wer die Ursache kennt, kann gezielt nachjustieren, statt wahllos an allen Schrauben zu drehen. Die folgenden fünf Auslöser decken den Großteil aller Fälle ab.
Wenn der Stoff trotz korrekter Einstellung seitlich verrutscht, fehlt Führung. Arbeiten Sie mit leichtem Vorschub von Hand, ohne zu ziehen. Zu starkes Ziehen oder Schieben ist ein typischer Anfängerfehler und verstärkt das Verschieben. Bei sehr rutschigen Stoffen kann ein dünnes Trägerpapier untergelegt werden, das nach dem Nähen abgerissen wird. Bei elastischen Stoffen hilft ein Stickvlies oder eine zweite Lage, die mitgenäht und später abgeschnitten wird.