Ein Blindsaum ist eine Saumnaht, bei der die Naht auf der rechten Stoffseite fast unsichtbar bleibt. Möglich wird das durch eine schmale Einschlagkante: Der Stoff wird zweimal nach innen gebrochen, sodass die offene Webkante zwischen den Lagen verschwindet. Genau dieser doppelte Einschlag ist der Kern der Technik. Wer ihn einmal beherrscht, kann Hosen, Kleider und Ärmel sauber kürzen, ohne dass eine breite Naht das Bild stört. Der Unterschied zwischen Hand- und Maschinenarbeit liegt weniger im Ergebnis als im Aufwand und im sichtbaren Verlauf der Naht.
BCR-Bauteile – also Bauteile aus glasfaserverstärktem Kunststoff – haben oft das Problem, dass die Kanten nach dem Trennen oder Fräsen ausfransen oder unsauber werden. Eine saubere Kante ist jedoch nicht nur eine Frage der Optik, sondern auch der Funktion: Scharfe Kanten können splittern, Verletzungen verursachen oder die Passgenauigkeit beeinträchtigen. Die folgenden fünf Methoden haben sich in der Praxis bewährt, um scharfe und saubere Kanten an BCR-Teilen zu erzielen.
Die Muschelkante wird am Rand gearbeitet, oft als Abschluss eines Hohlsaums. Dafür den Stoff straff, aber nicht verzerrt halten. Mit kleinen, dichten Schlingenstichen entlang der Kante arbeiten und die Nadel immer wieder in dieselbe Einstichstelle führen, damit eine runde Form entsteht. Der Faden darf nicht zu locker liegen, sonst verliert die Kante ihre Form; zu starkes Anziehen hingegen zieht den Stoff zusammen. Nach einigen Stichen die Kante leicht in Form schieben, nicht dehnen. Wer zu schnell arbeitet, produziert ungleiche Muscheln, die später nicht mehr zu korrigieren sind.
Vor dem ersten Schnitt wird die Naht gespannt. Lege den Stoff flach, halte die Naht mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand leicht auseinander, sodass die Stiche sichtbar werden. Setze die Spitze an einer Stelle an, an der der Faden bereits locker sitzt, meist am Nahtanfang. Arbeite stichweise, nicht in langen Zügen. Nach zwei bis drei Stichen kontrolliere, ob sich der Faden sauber löst. Wenn Widerstand entsteht, ist die Klinge falsch angesetzt, nicht der Stoff zu fest.
Bevor die Maschine überhaupt eingeschaltet wird, lohnt sich die Vorbereitung. Der Stoff sollte vor dem Zuschnitt leicht gedämpft werden, damit er sich nicht während des Nähens zusammenzieht. Eine dünne Nadel der Stärke 70 oder 80 ist für feine bis mittlere Stoffe die richtige Wahl; bei sehr dehnbaren Materialien empfiehlt sich eine Jersey- oder Stretch-Nadel. Der Oberfaden und der Unterfaden müssen zur Stoffart passen. Ein zu dicker Faden in einer dünnen Nadel drückt das Material auseinander und begünstigt Wellen zusätzlich.
Einfädelweg und Garnrolle kontrollieren Der zweite typische Fehler liegt im Einfädelweg. Läuft der Faden durch alle vorgesehenen Führungen, oder wurde eine Öse übersprungen? Schon eine ausgelassene Führung ändert den Fadenlauf so stark, dass die Schlaufe nicht korrekt gebildet wird. Kontrolliere außerdem die Garnrolle: Sie muss frei abrollen und darf nicht an der Spulenkapsel oder am Rollenhalter schleifen. Wickelst du den Faden von einer stehenden Rolle ab, kann er sich verheddern und ruckartig nachgeben. Ein zu straffer oder zu lockerer Faden im Greiferbereich führt ebenfalls zu Fehlstichen. Reinige den Greifer und die Spulenkapsel von Fusselresten, denn schon kleine Staubklumpen blockieren die Fadenschlaufe.
Eine Maschine, die scheinbar wahllos Stiche auslässt, bringt jedes Projekt zum Stocken. Bevor du an der Fadenspannung drehst oder die Maschine zum Service bringst, solltest du drei Bereiche systematisch prüfen: die Nadel, den Einfädelweg und den Transport. In den meisten Fällen liegt die Ursache in einem dieser drei Bereiche, und du kannst sie ohne Spezialwerkzeug selbst beheben.
Wenn nach diesen drei Prüfungen weiterhin Stiche fehlen, teste mit einem anderen Garn und einem anderen Stoff. Billiges oder altes Garn neigt zu Brüchen und Knötchen, die den Fadenlauf stören. Ein Wechsel des Materials grenzt die Ursache schnell ein. Bleibt das Problem bestehen, ist möglicherweise der Greifer falsch eingestellt oder die Maschine hat ein mechanisches Problem, das eine Fachwerkstatt erfordert. In den meisten Fällen jedoch löst schon eine neue Nadel in Kombination mit einem sauberen Einfädelweg das Problem – und die Maschine näht wieder zuverlässig Stich für Stich.
Der Transportmechanismus entscheidet, ob der Stoff gleichmäßig weitergeschoben wird. Prüfe die Transporteurzähne: Sie müssen sauber sein und dürfen nicht abgenutzt wirken. Senke den Nähfuß vollständig ab – bei zu hohem Fuß greifen die Zähne nicht und der Stoff rutscht unregelmäßig durch. Stelle den Stichlängenschalter nicht zu klein ein, denn sehr kurze Stiche erhöhen den Widerstand und begünstigen Aussetzer. Bei dehnbaren Stoffen hilft ein Obertransport oder ein leichtes Mitführen des Stoffes von Hand. Ziehe den Stoff nicht nach vorn, sondern lass die Maschine die Arbeit machen; Ziehen verändert die Stichgeometrie und führt zu unregelmäßigen Einstichen.